Selbstverständnis der Fachgruppe Mediensport und Sportkommunikation (19.01.2024)

Philip Sinner, Jessica Kunert, Christiana Schallhorn, Jörg-Uwe Nieland, Daniel Nölleke, Jörg Hagenah und Christof Seeger

 

1. Sportkommunikation als Forschungsfeld

Der Sport als gesellschaftlicher Teilbereich hat in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Das zeigt sich in seiner zunehmenden Verschränkung mit anderen Teilbereichen: Seine wirtschaftliche und politische Relevanz ist enorm gewachsen, seine soziale Rolle als Publikumsmagnet und gesellschaftliche Integrationsinstanz ist kaum zu überschätzen, und seine Beziehung zu den Medien wird immer enger. Mit Blick auf das Sportsystem betrifft dies nicht nur den professionellen Spitzensport, sondern auch den Amateur- und Breitensport sowie Sporttreibende im Rahmen ihrer Freizeitaktivitäten, ob selbstorganisiert oder bei kommerziellen Anbietern. Die gesellschaftliche Stellung des Sports ist dabei eng an dessen massenmediale Thematisierung geknüpft. Dies zeigt sich nicht zuletzt im weiterhin sehr großen Zuspruch des Publikums bzw. der Publika bei Übertragungen und der Berichterstattung zu verschiedenen (Groß)Ereignissen des Sports. Auch historisch betrachtet ist die Aufstiegsgeschichte des Sports in Deutschland, aber auch in Europa und weltweit, eng verwoben mit der Entwicklung der Massenmedien. Regelmäßig wurden technologische Erneuerungen im Rahmen der Produktion, Distribution und Vermarktung von Sportveranstaltungen eingeführt oder es gelang ihnen dadurch der Durchbruch. Entsprechend bedeutsam sind verschiedene Aspekte der sportjournalistischen Praxis auf den Ebenen der Produktion, des Produkts und der Rezeption bzw. des Gebrauchs und machen bis heute einen großen Teil des Forschungsfeldes der Sportkommunikation und des Mediensports aus.

In Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher und technologischer Wandlungsprozesse erfährt jedoch auch das gesellschaftliche Teilsystem des Sports Veränderungen und Erweiterungen. Aspekte der medienvermittelten Kommunikation, die in anderen Feldern gar nicht oder erst mit zeitlicher Verzögerung zu beobachten sind, zeigen sich in diesem Bereich früher, da sich Sportorganisationen und individuelle Vertreter*innen, nicht zuletzt auf Grund ökonomischer Zwänge, als technisch-mediale Vorreiter erweisen. Entsprechend haben die Digitalisierung und insbesondere die Etablierung von Online-Medien und Social Media dazu geführt, dass sich das Feld der Sportkommunikation und des Mediensports nachhaltig erweitert hat. Es umfasst nun gleichberechtigt auch die Organisationskommunikation von Vereinen und Verbänden aller Hierarchiestufen, von Medienunternehmen, von Sponsoren und anderen Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aber auch die (medial vermittelte) Individualkommunikation von Akteuren des Sports, insbesondere von Athlet*innen aus dem Profi-, Amateur-, Breiten- und Freizeitsport sowie von Fans und Interessierten.