Meldungen und Termine

28.07.2020

Stellungnahme der Fachgruppe Internationale und Interkulturelle Kommunikation der DGPuK zur BlackLivesMatter-Bewegung

Schon seit Monaten gehen in den USA Menschen gegen den alltäglichen und strukturellen Rassismus auf die Straße. Die Demonstrierenden wehren sich gegen die weitere Duldung und Verharmlosung von Hass und Gewalt gegen Afroamerikaner*innen und PoC sowie die Spaltung der Gesellschaft, vorangetrieben von der gegenwärtigen Regierung Trump. Auch in Deutschland demonstrieren Betroffene und Unterstützer*innen gegen Rassismus; fast einen Monat lang berichteten Nachrichtenmedien, Talkshows und Prinmedien intensiv, wie auch nach den Anschlägen von Hanau, Halle und anderswo. Zwar ist der historische Hintergrund insbesondere mit dem der USA nur schwer vergleichbar.

Doch es bleibt die Lücke, dass hierzulande bisher keine genuin im hiesigen Zusammenhang verankerte vergleichbare Bewegung entstanden ist. Denn die BLM-Proteste bieten sich, durchaus als Aufhänger für eine breitere Debatte über strukturellen Rassismus im postmigrantischen Deutschland wie im globalen Zusammenhang an. Hier wie dort sind gemeinsame Wurzeln in einer Tradition kolonialer Mentalität, Kolonialismus und interkulturelles Konfliktpotential ein relevantes Thema - sowohl im Zusammenhang der Migration, aber auch etwa in der Nachlese der Wiedervereinigung und der Geschichte der beiden deutschen Vorgängersaaten.

Als Fachgruppe Internationale und Interkulturelle Kommunikation erklären wir uns deshalb mit den Demonstrierenden solidarisch.

Die Anerkennung und selbstkritische Auseinandersetzung mit Rassismus und Diskriminierung hierzulande ist stark ausbaufähig - in allen Institutionen. So wurde erst kürzlich ein rechtsextremes Netzwerk in der Frankfurter Polizei entdeckt, doch die Aufklärung verläuft schleppend, die Sondereinheit KSK wird wegen rechter Umtriebe teilweise aufgelöst. Auch die Medien sind als Institutionen eingelassen in die Gesellschaft. Pauschale Rassismusvorwürfe sind zwar fehl am Platz, doch die darin tätigen Journalist*innen und Redakteur*innen sollten eingefahrene Berichterstattungsmuster selbstkritisch reflektieren. Statt "Betroffenheitsporno" (Ferda Ataman in Vice) wäre eine gut informierte Debatte zielführender, um auf Rassismus in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Statt von einem "flambierten Döner" zu sprechen, wenn ein arabisches Restaurant abbrennt - wie kürzlich die WELT - sollten rassistische Metaphern konsequent aus dem journalistischen Baukasten verbannt werden. Notwendige Voraussetzung dafür ist eine selbstkritische Auseinandersetzung innerhalb des Journalismus und der etablierten Medien - und auch innerhalb der Kommunikationswissenschaft - Stichwort Dekolonisierung und "Tiefe internationalisierung".

Im Verlauf der Debatte bestätigt sich: die Selbstkritik muss über die spezifischen Hautfarben hinausgehen, denn nicht nur Afrodeutsche sind von Diskriminierung betroffen, sondern vor allem auch Einwanderer aus dem Nahen und Mittleren Osten, Muslim*innen bzw. solche, die dem Islam zugeordnet werden etc. Der politische Umgang mit und die Berichterstattung zu den aktuellen Coronaausbrüchen vor allem in Göttingen zeigt nur allzudeutlich den deutschen Bedarf an Reflektion, Sensibilisierung und Veränderung bezüglich nicht nur explizitem Rassismus’ der erstarkenden äußersten Rechten, sondern auch gegenüber systemischer Ausgrenzung und „Alltagsrassismus“, die in der Medienberichterstattung durchklingen.

Hier möchten wir als Medien- und Kommunikationswissenschaftler*innen durch unsere Forschung einen Beitrag leisten, um über Diskriminierung und strukturelle Rassismen – auch in den Intersektionen – im Medienkontext aufzuklären. Wir fordern Medienschaffende und-institutionen auf, sich stärker mit eigenen Berichterstattungsmustern und Einstellungspraxen auseinanderzusetzen. Wir stehen als Expert*innen beratend zur Verfügung.

 

 

Fachgruppentagung 2020 - wird auf 2021 vertagt!

Save the date! Die Fachgruppentagung findet in Kooperation mit der FG Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht statt. 

 Medien und Ungleichheiten 

(Trans-)nationale Perspektiven auf Geschlecht, Diversität und Identität

NeueTermine werden noch bekannt gegeben!

Medien sind in soziale und globale Ungleichheitsverhältnisse vielfältig involviert. Die Marginalisierung aufgrund von Geschlecht und anderen sozialen Kategorisierungen durchziehen die Produktions-, Repräsentations- und Rezeptionskontexte. Die Fragen, wer über den Zugang zu Öffentlichkeiten entscheidet, wer wie sichtbar und repräsentiert wird und welche Positionen auf der anderen Seite gesilenced werden, stellen sich in globalisierten und digitalisierten Öffentlichkeiten umso dringlicher. Zu welchen neuen Formen von Marginalisierungen und Ungleichheiten kommt es beispielsweise unter Bedingungen einer weltweiten neoliberalen Entwicklung, unter einer Ausbreitung rechtspopulistischer und autoritärer Regime und wie eröffnen sich hier emanzipatorische Handlungs- und Interventionsmöglichkeiten?

Die Kommunikations- und Medienforschung problematisiert derweil nicht nur, dass soziale Ungleichheiten in und mit Medien sowohl in Produktions-, Repräsentations- und Rezeptionskontexten (re-)produziert werden, sondern ist selbst Bestandteil dieser Ungleichheitsverhältnisse. Im Zuge von Globalisierungsprozessen und insbesondere der digitalen Vernetzung tritt deutlicher in den Vordergrund, dass dieser Zusammenhang nicht mehr (nur) national (vergleichend) gedacht werden kann, sondern sich grenzüberschreitend, z.B. transnational, in spezifischen Machtverhältnissen immer wieder neu formiert und gestaltet. Dies betrifft z.B. das Verhältnis von internationaler und regional/nationaler Forschung und auch die Beziehungen von Akteur*innen und Politiken des global north und global south.

Die Tagung will aus einer geschlechtertheoretischen und queerfeministischen Perspektive einerseits und transnationaler Perspektive andererseits diesen Verflechtungen und dem Zusammenhang von Medien und sozialen Ungleichheiten nachgehen. Sie fragt danach, wie in Bezug auf race, class, gender, sexuality, region etc. Ungleichheiten, Zugehörigkeitsstrukturen, Marginalisierungen und Teilhabestrukturen in und durch Medien(-technologien) erzeugt werden, aber wie sich auch Grenzen in ihnen verschieben und es zu neuen Formationen von Identitäten kommt. Die Verwobenheit von Medien und sozialer Ungleichheit aus einer grenzüberschreitenden Perspektive erfordert daher auch einen kritischen Blick auf Identitätspolitiken, Identitätskonstruktionen und auf marginalisierte Positionen. Zentral ist dabei eine kritische Analyse von Machtverhältnissen, wie sie transnational mit Blick auf den global south relevant werden. Dies wirft nicht nur empirische Fragen nach Wissensordnungen und Positionierungen innerhalb der Kommunikationswissenschaft auf, sondern auch danach, mit welchen Theorien diese Ungleichheitsverhältnisse aus einer geschlechterforschenden und transnationalen Kommunikationswissenschaft analysiert und begleitet werden sollen.

Für die Tagung wünschen wir uns empirische und theoretische Beiträge zum Zusammenhang von sozialen Ungleichheiten und Medien(-technologien) aus

  • geschlechtertheoretischer,
  • queerfeministischer,
  • interdependenter,
  • transkultureller
  • transnationaler
  • de- und postkolonialer Perspektive

Ein besonderer Schwerpunkt liegt aufgrund des Austragungsortes der Tagung in Magdeburg und des 30-jährigen Jahrestages der ‚Wiedervereinigung‘ auf sozialen Ungleichheitsverhältnissen von Ost und West, welche sich in und durch Medien, aber auch in der scientific community und ihrer Forschung reproduzieren.

Mit Blick auf die genannten Perspektiven können folgende Themen und Fragestellungen im Rahmen der Tagung diskutiert werden:

 

Themengebiet 1: Transnationale Medienproduktionsbedingungen und soziale Ungleichheiten

Dieser Schwerpunkt befasst sich mit sozialen Ungleichheiten in grenzüberschreitenden und transnationalen Medienproduktionsstrukturen, zum Beispiel in transnationalen Medieninstitutionen und -konzernen, Nachrichtenagenturen, digitalen Netzwerken, kollaborativen Netzwerken wie Wikipedia, aber auch in partizipativen Öffentlichkeiten. Unter welchen Arbeitsbedingungen werden Medien(-inhalte) mit Blick auf Geschlecht und andere Kategorien sozialer Ungleichheit produziert?

Themengebiet 2: Transnationale Ungleichheitsverhältnisse und Verflechtungen als Thema der Medienkommunikation

Globale Machtverhältnisse durchdringen soziale Ungleichheiten auf regionaler und nationaler Ebene Eine transkulturelle/transnationale Perspektive schärft den Blick auf Verflechtungen von sozialen und globalen Ungleichheiten in der Repräsentation durch Medien. Wie werden diese transnationalen Verflechtungen und Ungleichheitsverhältnisse in der (medialen) Kommunikation thematisiert und problematisiert (z.B. im Kontext der Klimawandel- oder Migrationsdebatte, in Debatten zu Antifeminismus und Antigenderismus, in globalen und sozialen Bewegungen, aber auch im Kontext von bspw. Wirtschaft und Sport/Sportereignissen)? Inwiefern werden in der Medienkommunikation auch Ungleichheiten mitproduziert oder reproduziert? Welche Sprecher*innenpositionen, welche Teilhabe werden ermöglicht? Wo kommt es zu Grenzverschiebungen oder zu neuen Grenzziehungen?

Themengebiet 3: Ungleichheiten in transnationalen Medienpraktiken und -nutzungsweisen

Die Nutzung von Medien- und Kommunikationstechnologien gilt inzwischen als grundlegende Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe, wie bspw. die Digital Divide-Forschung belegt. Netzwerk- oder Kollaborationsmetaphern suggerieren egalitäre Verhältnisse in transnationalen Internetpraktiken, die jedoch von vielfältigen und interdependenten Ungleichheitsverhältnissen und Diskriminierungsstrukturen gerade im Hinblick auf die Kategorie Geschlecht geprägt sind, wie bspw. Diskussionen um Wikipedia oder um die Gamingszenen zeigen. Es stellt sich daher die Frage, in welcher Weise transnationale Mediennutzungen/oder -praktiken von Ungleichheitsverhältnissen bestimmt sind. Wie schreiben sich bspw. Machtverhältnisse in kollaborative Medienprojekte ein? Wie können subversive Medienpraktiken Dominanzverhältnisse unterlaufen? Auf welche Art und Weise bringen neue Medientechnologien und -nutzungen neue Ungleichheiten hervor?

Themengebiet 4: Soziale Ungleichheiten in der Kommunikationswissenschaft

Soziale Ungleichheitsverhältnisse in und durch die Medien sind nicht nur Gegenstand empirischer und theoretischer Arbeiten. Die Kommunikationswissenschaft selbst ist von diesen sozialen Ungleichheitsverhältnissen geprägt, die sich unter Bedingungen kompetitiver, neoliberaler und transnationaler Hochschulpolitik und Forschungspraktiken weiter verschärft haben. Das Ziel dieses Schwerpunkts ist es daher, diese Verhältnisse in der Kommunikationswissenschaft zu reflektieren. Wie gestalten sich soziale Ungleichheiten in der Kommunikationswissenschaft unter aktuellen Bedingungen und Normen der Inter- und Transnationalisierung der Wissenschaft? Wer wird wo wie gelesen, wer wird zitiert? Wer hat welche Position? Welches Wissen wird privilegiert? Wie entstehen unter spezifischen Konkurrenzverhältnissen Positionierungen sowohl von Akteur*innen als auch von ganzen Forschungsfeldern (wie bspw. Gender Media Studies, Queer Media Studies oder Critical Media Studies)? Wie schreiben sich soziale Ungleichheiten in die Kommunikationswissenschaft ein? Aber auch: wie kann eine kritische Herangehensweise an Theorie und Empirie in der Kommunikationswissenschaft aussehen und wie kann z.B. Geschlechterungleichheit erforscht werden, ohne eine essentialistische Geschlechterbinarität vorauszusetzen oder sie zu reproduzieren?

Sonderschwerpunkt: Ost-Westdeutsche Ungleichheitsverhältnisse in den Medien und ihrer Forschung

30 Jahre sind seit der ‚Wiedervereinigung‘ vergangen, seit 30 Jahren befasst sich auch die kommunikationswissenschaftliche Forschung mit dem Verhältnis von Ost und West in Medienproduktion, -repräsentation und -nutzung. Aus diesem Anlass soll im Rahmen der Tagung am Standort Magdeburg-Stendal ein Sonderpanel stattfinden, das einen Schwerpunkt auf die Ungleichheitsverhältnisse in der Erforschung ost- und westdeutscher Medien und Öffentlichkeiten, aber auch auf die strukturelle und akademische Positionierung ost- und westdeutscher Wissenschaftler*innen legt. Beiträge im Sonderschwerpunkt sollen die in der Tagung aufgeworfenen Fragen von sozialen Ungleichheiten, Medien und ihrer Erforschung, von Partizipation und Marginalisierung, Identitätskonstruktionen und -politiken auf ost-westdeutsche Ungleichheitsverhältnisse in den Medien und ihrer Forschung beziehen und in Interdependenzen mit anderen Kategorien untersuchen und diskutieren.

 

Tagungsablauf

Wird rechtzeitig bekannt gegeben.

 

Einreichung von Abstracts - deadline bis April 2021 verlängert. Genaue Termine folgen!

Einreichungen von Abstracts sind für 15-20-minütige Vorträge und Diskussionsbeiträge sowie für Panels und andere Diskussionsformen zu der im Call umrissenen Thematik möglich. Bitte reichen Sie den Abstract in Form eines Extended Abstracts (ca. 4.000 bis 6.000 Zeichen) ein und ordnen Sie ihn einem der fünf Themengebiete zu. Besonders freuen wir uns über Vorschläge von Nachwuchswissenschaftler*innen.

Weiter besteht für Nachwuchswissenschaftler*innen die Möglichkeit, Qualifikationsarbeiten (Masterarbeiten oder Dissertationen) als work-in-progress für einen Workshop des wissenschaftlichen Nachwuchses einzureichen. Ein entsprechender Call wird gesondert verschickt.

Bitte senden Sie Ihr Abstract per E-Mail bis zum [...] an elke.grittmann@h2.de. Die Vorschläge werden in einem anonymisierten Review-Verfahren begutachtet. Deshalb sind die Abstracts mit einem Deckblatt zu versehen, auf welchem der Beitragstitel sowie Name und Adresse des/der Einreichenden vermerkt sind. Bis Anfang Juni 2020 werden wir über die Annahme der Beiträge informieren.

 

Das Organisationsteam an der Hochschule in Magdeburg-Stendal

Prof. Dr. Elke Grittmann, elke.grittmann@h2.de

Prof. Dr. Jan Pinseler, jan.pinseler@h2.de

Franziska Rauchut, franziska.rauchut@h2.de

Für die Fachgruppe Medien-Öffentlichkeit-Geschlecht:

Dr. Kathrin Friederike Müller, Westfälische Universität Münster

Dr. Corinna Peil, Paris Lodron Universität Salzburg

 

Für die Fachgruppe Internationale und Interkulturelle Kommunikation:

Dr. Christine Horz, Ruhr-Universität Bochum

Dr. Julia Lönnendonker, Frije Universiteit Brussel (VUB)

 

 

Fachgruppentagung 2019

Die Fachgruppentagung 2019 fand vom 24.-25. Oktober in Kooperation mit dem Netzwerk Medienstrukturen am Erich-Brost Institute, Dortmund/Germany gemeinsammit dem (IfM), Ruhr-University, Bochum (Germany unter dem Thema INTER/TRANSNATIONAL MEDIA POLICY AND REGULATION IN DIGITAL ENVIRONMENTS. DEBATES; STRATEGIES INNOVATIONS statt. Sie wurde von Christine Horz, Julia Lönnendonker, Dr. Florian Meißner (University Dusseldorf) und Leyla Dogruel organisiert. Das Programm der FG-Tagung sowie weitere Informationen zu den Keynotes, der Anfahrt etc. finden Sie auf dem Konferenzblog: https://iic-conference19.blogs.ruhr-uni-bochum.de/

Unsere letzte Fachgruppentagung 2018 fand in Kooperation mit der FG Journalistik vom 26.-28. September 2018 in Ilmenau statt. Sie wurde von Martin Löffelholz, Liane Rothenberger und David Weaver organisiert. Thema war "Journalism across Borders. The Production and 'Produsage' of News in the Era of Transnationalization, Destabliziation and Algorithmization".

Die Fachgruppentagung 2017 fand vom 5.-6. Oktober in Erfurt statt. Sie wurde von Anne Grüne zum Thema “Lifeworld Communication and the Global Wo/Man. New Perspectives on the Globalization Debate” organisiert. Hier geht es zum Call und weiteren Informationen.

Die Fachgruppentagung 2016 fand gemeinsam mit dem Forum Medien und Entwicklung (FoME) zum Thema "Medien und Konflikte" vom 3.-4. November in Berlin statt. Mehr Informationen gibt es hier.

Zur Fachgruppentagung “Entangled histories medial gedacht: internationale und transkulturelle Kommunikationsgeschichte” vom Januar 2016 ist ein Themenheft im Global Media Journal – German Edition, entstanden, das im Dezember 2016 erschienen ist.

Aus der Tagung "Diversity in Transcultural and International Communication" 2014 in Bremen ist mittlerweile ein Tagungsband beim LIT-Verlag erschienen. Der Sammelband wird herausgegeben von Carola Richter, Indira Dupuis und Stefanie Averbeck-Lietz und ist hier erhältlich.