Selbstverständnis der Fachgruppe Mediensport und Sportkommunikation (19.01.2024)

Philip Sinner, Jessica Kunert, Christiana Schallhorn, Jörg-Uwe Nieland, Daniel Nölleke, Jörg Hagenah und Christof Seeger

 

2. Gegenstände der Fachgruppe

Die Forschung der Mitglieder der Fachgruppe befasst sich mit allen Aspekten des Feldes der Sportkommunikation und des Mediensports. Konstituierend ist dabei die kommunikations- und medienwissenschaftliche Perspektive auf den Forschungsgegenstand, mit den drei Säulen der theoretischen und empirischen Forschung sowie der Theorieentwicklung. Neben akademischer Grundlagenforschung zählen dazu auch anwendungsorientierte Kooperationsprojekte mit Partner*innen aus der Praxis und Lehrforschungsprojekte mit Studierenden, die, als Teil der Ausbildung, den wissenschaftlichen Nachwuchs an die Gegenstände, Arbeitsweisen und Herausforderungen des Forschungsfeldes Mediensport und Sportkommunikation heranführen.

Folgende Merkmale von Mediensport und Sportkommunikation bilden die Grundlage der Forschungsaktivitäten der Fachgruppe und begründen damit auch ihre zentralen Forschungsgegenstände, diese decken das gesamte Spektrum der Kommunikations- und Medienwissenschaft ab:

  • Inhalte der Sportberichterstattung haben sowohl informativen als auch unterhaltenden Charakter und erreichen seit jeher große Publika, die Angebote sind integrale Bestandsteile der Medienrepertoires vieler Menschen.
  • Entsprechend haben Angebot, Nachfrage, Nutzung und aktiver Gebrauch von Sportinhalten kontinuierlich zugenommen und die Darstellungs- und Präsentationsformen des Sports in den Medien haben sich nachhaltig ausdifferenziert.
  • Gesellschaftliche und technologische Wandlungsprozesse, insbesondere die voranschreitenden Digitalisierung, führen dazu, dass nicht mehr nur ausschließlich institutionalisierte Massenmedien von zentraler Bedeutung für den Sport und seine mediale Vermittlung sind, sondern in zunehmendem Maße auch eigene Medienkanäle, wie z.B. Social Media oder Streamingplattformen von Organisationen des Sports als Teil der Organisationskommunikation sowie der Kommunikation von Individuen im Sport (Athlet*innen, Journalist*innen, Schiedsrichter*innen etc.), die auf diese Weise professionalisierte Öffentlichkeiten erschaffen können. Erweiterung erfährt das Forschungsfeld auch durch die voranschreitende Datafizierung und den Einsatz künstlicher Intelligenz.
  • Der Blick gilt auch der Anpassung aller Akteure des Sports an die Logiken der Medien und Wandlungsprozesse. Dies umfasst insbesondere den Anforderungen der Medien folgende Regeländerungen und Rhythmisierung, die technologische Aufrüstung in Wettkampfstätten sowie die Schaffung ganz neuer Sportarten, aber gleichermaßen auch die Anpassungen des Sports und der Medien an sich ändernde Wünsche der Publika und sich wandelnde Praktiken der Mediennutzung und des aktiven Mediengebrauchs, sowie die Adaption neuer Technologien. Diskutiert werden diese Prozesse unter den Begriffen Mediatisierung und Medialisierung.
  • Diese Erweiterungen des Forschungsfeldes um digitale Kanäle jenseits etablierter (sport-)
    journalistischer Formate erfordert eine zunehmend intensive Auseinandersetzung mit Prozessen der Anschlusskommunikation in verschiedenen Kommunikationsumgebungen.
  • Insbesondere technologische Wandlungsprozesse führen auch zu neuen Möglichkeiten von Teilhabe und Publikumserlebnissen im Kontext des Mediensports. Dazu zählen insbesondere Fantasysport-Angebote, Online-Sportwetten und der Bereich des E-Sports.
  • Eine zusätzliche Erweiterung der Forschungsgegenstände ergibt sich aus zunehmend online organisierten Vergemeinschaftungsprozessen. Diese finden nicht nur seitens der Sportfans sowie der Athlet*innen statt, sondern in großem Maße auch mit Blick auf das individuelle Sporttreiben (Trainingstagebücher im Web, Selbstvermessung, Vernetzung in virtuellen Trainingsgruppen, Selbstpräsentation und -vermarktung etc.).

Das Forschungsinteresse der Fachgruppenmitglieder geht jedoch weit über diese exemplarischen Forschungsgegenstände hinaus. Insgesamt streben sie an, mit ihren Arbeiten zu Sportkommunikation und Mediensport einen gesamtgesellschaftlichen Beitrag zu leisten und sich dabei auch dem Spannungsverhältnis zuzuwenden, das sich durch die Verflechtungen zwischen Sport, Wirtschaft, Politik, Medien und Gesellschaft ergibt. Im Sinne engagierter Sozialforschung ist es den Mitgliedern der Fachgruppe ein Anliegen, sich mit den verschiedenen Stakeholdern (etwa Journalist*innen, Medienunternehmen, Sportler*innen, Vereine, Verbände, Wirtschaftsunternehmen, Politiker*innen, NGOs uvm.) des Forschungsfeldes zu vernetzen, beratende Funktionen wahrzunehmen und Ergebnisse der Forschung an die Gesellschaft zu vermitteln.